Warum soll man sich heute damit beschäftigen?
Was kann uns das für die Probleme und deren Bewältigung helfen?
Schnellebig und oberflächlich und unterhaltend (ZRS)
mit diesen drei Wörtern wollen wir drei Bereiche ansprechen, die sich in
Zeit, Raum und Sinnsphäre zuordnen lassen un sich gegeseitig bedingen und
verstärken.
FRAGEN
Was wären demnach die vordringlichsten Aufgaben unserer Zeit?
· Die Kleider der Vergänglichkeit von ihrem Träger bzw. Schneider
unterscheiden zu könnnen
· Die wahren Absichten der Produzenten (Schneider) bzw. Träger zu
durchschauen
· Eine fremde und eigene Sinnhaftigkeit zu finden
Wie wären diese Aufgaben zu lösen?
Von der Art der Zusammenstellung hängt es ab welche Bilder entstehen. Kann
ich die Zusammenstellung so wählen, daß der Mensch bedeutende Phänomene
gewahr werden kann. Was ist ein bedeutendes Phänomen wird sich als nächst
Frage stellen. Goethe gibt im nachfolgenden Text selber die Richtung einer Antwort:
so muß sich eine innigere Teilnahme finden, die uns nach und nach mit
den Gegenständen bekannter macht. Es sind also nicht die Gegenstände
selbst, sondern die Art ihres Zusammenwirkens, ihres Zusammegefügt-seins,
das ein Phänomen begründet und auch sichtbar, formulierbar und aussprechbar
werden läßt.
VORWORT ZUR FARBENLEHRE (ZITAT)
Ob man nicht, indem von den Farben gesprochen werden soll, vor allen Dingen
des Lichtes zu erwähnen habe, ist eine ganz natürliche Frage, auf
die wir jedoch nur kurz und aufrichtig erwidern: es scheine bedenklich, da bisher
schon soviel und mancherlei von dem Licht gesagt worden, das Gesagte zu wiederholen
oder das oft Wiederholte zu vermehren.
Denn eigentlich unternehmen wir umsonst, das Wesen eines Dinges auszudrücken.
Wirkungen werden wir gewahr, und eine vollständige Geschichte dieser Wirkungen
umfaßt wohl allenfalls das Wesen jenes Dinges. Vergebens bemühen
wir uns, den Charakter eines Menschen zu schildern; man stelle dagegen seine
Handlungen, seine Taten zusammen, und ein BILD des Charakters tritt uns entgegen.
Die Farben sind die Taten des Lichts, Taten und Leiden. In diesem Sinn können
wir von denselben Aufschlüsse über das Licht erwarten. Farben und
Licht stehen zwar unter einander in dem genauesten Verhältnis , aber wir
müssen uns beide als der ganzen Natur angehörig kennen; denn sie ist
es ganz, die sich dadurch dem Sinne des Auges besonders offenbaren will.
Erfahrungen solle man ohne irgend ein theoretisches Band vortragen und dem Leser
, dem Schüler überlassen, sich selbst nach Belieben irgend eine Überzeugung
zu bildeb.
Denn ein bloßes Ansehen einer Sache kann uns nichf fördern. Jedes
Ansehen geht über in ein Betrachten, jedes Betrachten in ein Sinnen, jedes
Sinnes in ein verknüpfen, und so kann man sagen , daß wir schon bei
jedem aufmerksamen Blick theoretisieren. Dieses aber mit Bewußtsein, mit
Selbsterkenntnis, mit Freiheit und, um uns eines gewagten Wortes zu bedienen,
mit Ironie zu thun und vorzunehmen, eine solche Gewandtheit ist nötig,
wenn die Abstraktion, vor der wir uns so fürchten, unschädlich und
das Erfahrungsresultat, das wir hoffen, recht lebendig und nützlich werden
soll.
J.W.Goethe, Naturwiss. Schriften Band3, s 77
Einleitung zur Farbenlehre(zitat)
Die Lust zum Wissen wir bei dem Menschen zuerst dadurch angeregt, daß
er bedeutende Phänomene gewahr wird, die seine Aufmerksamkeit an sich ziehen.
Damit nun diese eine dauernde bleibe, so muß sich eine innigere Teilnahme
finden, die uns nach und nach mit den Gegenständen bekannter macht. Alsdann
merken wir eine große Mannigfaltigkeit, die uns als Menge entgegendringt.
Wir sind genötigt, zu sondern zu unterscheiden und wiederzusammenzustellen,
wodurch zuletzt eine Ordnung entsteht, die sich mit mehr oder weniger Zufriedenheit
übersehen läßt.
AUFGABE:
Hinter dem Oberflächlichen, Schnellen und Unterhaltsamen das Wesentliche,
das Wirkliche und Wirksame erkennen zu lernen.
WEG:
DAS WESEN TRITT UNS IM BILD ENTGEGEN
Bild wird hier als etwas verstanden, was gemäß der Sprachwurzel (bil)auf
etwas hindeutet. Das kann auch ein gesprochenes Wort sein. Wie sich im nächsten
Schritt verdeutlicht:
DAS WESEN KANN SICH IM BILD AUSSPRECHEN
Es kann sich aussprechen. Das heißt es ist die Möglichkeit dazu gegeben.Es
bedarf einer Organisation, die über die reine Sinnesoganisation hinausgeht
um das Aussprechen eines Bildes zu hören. Mit einer weiteren Fähigkeit
kann das Gehörte dann auch dem Sinn entsprechend als Wesenhaft Wirkendes
im Bild erkannt werden.
DAS WESEN KANN IM BILD ERKANNT WERDEN
VORAUSSETZUNG ZUM ERWERB VON ORGANISATION UND FÄHIGKEIT:
Die Lust zum Wissen wir bei dem Menschen zuerst dadurch angeregt, daß
er bedeutende Phänomene gewahr wird, die seine Aufmerksamkeit an sich ziehen.
Auch diese Fähigkeit wurde von Goehte mehrfach genannt, als die der Aufmerksamkeit
und man kann sich fragend beobachten:
Wie werde ich auf etwas aufmerksam (von innen)
Wie werde ich auf etwas aufmerksam gemacht (von außen)
Mitteilung(Sprache) - Erleben(Erfahrung einesTuns oder eines Geschehens)
Dabei wird sehr deutlich, daß Aufmerksamkeit
ohne Bewußtsein nicht möglich ist. Bemerkenswert aber auch, daß
die Aufmerksamkeit einmal auf einen Inhalt (Gedankeninhalt) gerichtet werden
kann und zum anderen auf ein Geschehen( Sinnesaktivität oder eine andere
Handlung)
Bsp. Ein Musiker, der seine ganze Aufmerksamkeit nur auf die Art und Weise seiner
Fingerbewegung gerichtet hätte, würde dem Inhalt der Musik schwerlich
gerecht werden können.
An dem Beispiel des Autofahrens wird deutlich, daß der MENSCH mit seiner
Aufmerksamkeit über seine physische Organisation ausdehnen kann.
DAS LICHT
WÄR DAS AUG NICHT SONNENHAFT
ES KÖNNT DIE SONNE NIE ERBLICKEN
LÄG IN UNS NICHT DES GOTTES EIGNE KRAFT,
WIE KÖNNT UNS GÖTTLICHES ENTZÜCKEN
"Ob man nicht, indem von den Farben
gesprochen werden soll, vor allen Dingen des Lichtes zu erwähnen habe"
das ist Goethes erste Frage in seinem Vorwort zur Farbenlehre. Im zweiten Absatz
beschreibt er die Bedeutung des Wesenhaften und die Art und Weise, wie er sich
diesem Wesenhaften zu nähern gedenke: über die Zusammenstellung zu
einem Bild.Ohne weiter Zwischenschritte folgt dann die Charakterisierung der
Farben:
Die Farben sind die Taten des Lichts, Taten und Leiden. In diesem Sinn können
wir von denselben Aufschlüsse über das Licht erwarten.
Also mit den Taten und Leiden des Lichtes sichtbar geworden in den Farben erhalten
wir Aufschlüsse über das Licht. Aber diese Aufschlüs se werden
uns nicht so ohne weiteres über das Licht mitgeliefert. Mit Hilfe der Farben
lehre von Goehte können wir diese Aufsschlüsse nachvollziehen und
nachvollziehbar machen.
In drei Teilen hat Goethe seine Farbenlehre aufgebaut: er schreibt selbst
WEITERE ZITATE AUS DEM VORWORT ZUR FARBENLEHRE VON J.W.GOETHE
wir betrachten also die Farben zuerst, insofern sie dem Auge angehören
und auf einer Wirkung und Gegenwirkung desselben beruhen. Ferner zogen sie unsere
Aufmerksamkeit an sich indem wir sie an farblosen Mitteln ider durdch deren
Beihülfe gewahrten. Zuletzt wurden sie uns merkwürdig, in dem wir
sie als den Gegenständig angehörig denken konnten.
Die ersten nannten wir physiologische, die zweiten Physische und die dritten
chemische Farben. Jene sind unaufhaltsam flüchtig, die anderen vorübergehend
aber allenfalls verweilend, die letzteren sind festzuahlten bis zur spätesten
Dauer....
Gegenwärtig sagen wir nur soviel voraus, daß zur Erzeugung der Farbe
Licht und Finsternis, Helles und Dunkles oder wenn man sich einer allgemeinen
Formel bedienen will, Licht und Nichtlicht gefordert werde. Zunächst am
Licht enststeht uns eine Farbe, die wir gelb nennen, eine andere zunächst
an der Finsternis die wir mit dem Wort Blau bezeichnen. Diese beiden, wenn wir
sie in ihrem reinsten Zustand dergestalt vermischen, daß sie sich völlig
das Gleichgewicht halten, bringen eine dritte hervor, welche wir grün heißen.
Jene beiden ersten Farben können aber jede an sich selbst eine neue Erscheinung
hervorbringen, indem wir sie verdichten ider verdunkeln. Sie erhalten ein rötliches
Ansehen, welches sich bis auf einen so hohen Grad steigern kann, daß man
das ursprüngliche Blau und Gelb darin kaum mehr erkennen kann. Doch läßt
sich das höchste und reine Rot, vorzüglich in den physischen Fällen
dadurch hervorbringen, daß man die beiden Enden des Gelbroten und Blauroten
vereinigt. Dieses ist die lebendige Ansicht der Farberscheinung und Erzeugung.
Man kann aber auch zu dem spezifiziert fertigen Blauen und Gelben ein fertiges
Rot annehmen und rückwärts durch Mischen hervorbringen, was vorwärts
durch Intensivieren bewirkt haben. Mit diesen drei oder sechs Farben, welche
sich bequem in einen Kreis einschlißen lassen, hat die elementare Frabenlehre
allein zu tun. Alle übrigen ins Unendlich gehenden Abänderungen gehören
mehr in das Angewandte, gehören zur Technik des Malers, des Färbers
überhaupt ins Leben.