Johann Wolfgang von Goethe
Farbenlehre

Warum soll man sich heute damit beschäftigen?
Was kann uns das für die Probleme und deren Bewältigung helfen?
Schnellebig und oberflächlich und unterhaltend (ZRS)
mit diesen drei Wörtern wollen wir drei Bereiche ansprechen, die sich in Zeit, Raum und Sinnsphäre zuordnen lassen un sich gegeseitig bedingen und verstärken.
FRAGEN
Was wären demnach die vordringlichsten Aufgaben unserer Zeit?
· Die Kleider der Vergänglichkeit von ihrem Träger bzw. Schneider unterscheiden zu könnnen
· Die wahren Absichten der Produzenten (Schneider) bzw. Träger zu durchschauen
· Eine fremde und eigene Sinnhaftigkeit zu finden
Wie wären diese Aufgaben zu lösen?
Von der Art der Zusammenstellung hängt es ab welche Bilder entstehen. Kann ich die Zusammenstellung so wählen, daß der Mensch bedeutende Phänomene gewahr werden kann. Was ist ein bedeutendes Phänomen wird sich als nächst Frage stellen. Goethe gibt im nachfolgenden Text selber die Richtung einer Antwort: so muß sich eine innigere Teilnahme finden, die uns nach und nach mit den Gegenständen bekannter macht. Es sind also nicht die Gegenstände selbst, sondern die Art ihres Zusammenwirkens, ihres Zusammegefügt-seins, das ein Phänomen begründet und auch sichtbar, formulierbar und aussprechbar werden läßt.
VORWORT ZUR FARBENLEHRE (ZITAT)
Ob man nicht, indem von den Farben gesprochen werden soll, vor allen Dingen des Lichtes zu erwähnen habe, ist eine ganz natürliche Frage, auf die wir jedoch nur kurz und aufrichtig erwidern: es scheine bedenklich, da bisher schon soviel und mancherlei von dem Licht gesagt worden, das Gesagte zu wiederholen oder das oft Wiederholte zu vermehren.
Denn eigentlich unternehmen wir umsonst, das Wesen eines Dinges auszudrücken. Wirkungen werden wir gewahr, und eine vollständige Geschichte dieser Wirkungen umfaßt wohl allenfalls das Wesen jenes Dinges. Vergebens bemühen wir uns, den Charakter eines Menschen zu schildern; man stelle dagegen seine Handlungen, seine Taten zusammen, und ein BILD des Charakters tritt uns entgegen.
Die Farben sind die Taten des Lichts, Taten und Leiden. In diesem Sinn können wir von denselben Aufschlüsse über das Licht erwarten. Farben und Licht stehen zwar unter einander in dem genauesten Verhältnis , aber wir müssen uns beide als der ganzen Natur angehörig kennen; denn sie ist es ganz, die sich dadurch dem Sinne des Auges besonders offenbaren will.
Erfahrungen solle man ohne irgend ein theoretisches Band vortragen und dem Leser , dem Schüler überlassen, sich selbst nach Belieben irgend eine Überzeugung zu bildeb.
Denn ein bloßes Ansehen einer Sache kann uns nichf fördern. Jedes Ansehen geht über in ein Betrachten, jedes Betrachten in ein Sinnen, jedes Sinnes in ein verknüpfen, und so kann man sagen , daß wir schon bei jedem aufmerksamen Blick theoretisieren. Dieses aber mit Bewußtsein, mit Selbsterkenntnis, mit Freiheit und, um uns eines gewagten Wortes zu bedienen, mit Ironie zu thun und vorzunehmen, eine solche Gewandtheit ist nötig, wenn die Abstraktion, vor der wir uns so fürchten, unschädlich und das Erfahrungsresultat, das wir hoffen, recht lebendig und nützlich werden soll.
J.W.Goethe, Naturwiss. Schriften Band3, s 77
Einleitung zur Farbenlehre(zitat)
Die Lust zum Wissen wir bei dem Menschen zuerst dadurch angeregt, daß er bedeutende Phänomene gewahr wird, die seine Aufmerksamkeit an sich ziehen. Damit nun diese eine dauernde bleibe, so muß sich eine innigere Teilnahme finden, die uns nach und nach mit den Gegenständen bekannter macht. Alsdann merken wir eine große Mannigfaltigkeit, die uns als Menge entgegendringt. Wir sind genötigt, zu sondern zu unterscheiden und wiederzusammenzustellen, wodurch zuletzt eine Ordnung entsteht, die sich mit mehr oder weniger Zufriedenheit übersehen läßt.
AUFGABE:
Hinter dem Oberflächlichen, Schnellen und Unterhaltsamen das Wesentliche, das Wirkliche und Wirksame erkennen zu lernen.
WEG:
DAS WESEN TRITT UNS IM BILD ENTGEGEN
Bild wird hier als etwas verstanden, was gemäß der Sprachwurzel (bil)auf etwas hindeutet. Das kann auch ein gesprochenes Wort sein. Wie sich im nächsten Schritt verdeutlicht:
DAS WESEN KANN SICH IM BILD AUSSPRECHEN
Es kann sich aussprechen. Das heißt es ist die Möglichkeit dazu gegeben.Es bedarf einer Organisation, die über die reine Sinnesoganisation hinausgeht um das Aussprechen eines Bildes zu hören. Mit einer weiteren Fähigkeit kann das Gehörte dann auch dem Sinn entsprechend als Wesenhaft Wirkendes im Bild erkannt werden.
DAS WESEN KANN IM BILD ERKANNT WERDEN
VORAUSSETZUNG ZUM ERWERB VON ORGANISATION UND FÄHIGKEIT:
Die Lust zum Wissen wir bei dem Menschen zuerst dadurch angeregt, daß er bedeutende Phänomene gewahr wird, die seine Aufmerksamkeit an sich ziehen.
Auch diese Fähigkeit wurde von Goehte mehrfach genannt, als die der Aufmerksamkeit und man kann sich fragend beobachten:
Wie werde ich auf etwas aufmerksam (von innen)
Wie werde ich auf etwas aufmerksam gemacht (von außen)
Mitteilung(Sprache) - Erleben(Erfahrung einesTuns oder eines Geschehens)

Dabei wird sehr deutlich, daß Aufmerksamkeit ohne Bewußtsein nicht möglich ist. Bemerkenswert aber auch, daß die Aufmerksamkeit einmal auf einen Inhalt (Gedankeninhalt) gerichtet werden kann und zum anderen auf ein Geschehen( Sinnesaktivität oder eine andere Handlung)
Bsp. Ein Musiker, der seine ganze Aufmerksamkeit nur auf die Art und Weise seiner Fingerbewegung gerichtet hätte, würde dem Inhalt der Musik schwerlich gerecht werden können.
An dem Beispiel des Autofahrens wird deutlich, daß der MENSCH mit seiner Aufmerksamkeit über seine physische Organisation ausdehnen kann.

DAS LICHT

WÄR DAS AUG NICHT SONNENHAFT
ES KÖNNT DIE SONNE NIE ERBLICKEN
LÄG IN UNS NICHT DES GOTTES EIGNE KRAFT,
WIE KÖNNT UNS GÖTTLICHES ENTZÜCKEN

"Ob man nicht, indem von den Farben gesprochen werden soll, vor allen Dingen des Lichtes zu erwähnen habe" das ist Goethes erste Frage in seinem Vorwort zur Farbenlehre. Im zweiten Absatz beschreibt er die Bedeutung des Wesenhaften und die Art und Weise, wie er sich diesem Wesenhaften zu nähern gedenke: über die Zusammenstellung zu einem Bild.Ohne weiter Zwischenschritte folgt dann die Charakterisierung der Farben:
Die Farben sind die Taten des Lichts, Taten und Leiden. In diesem Sinn können wir von denselben Aufschlüsse über das Licht erwarten.
Also mit den Taten und Leiden des Lichtes sichtbar geworden in den Farben erhalten wir Aufschlüsse über das Licht. Aber diese Aufschlüs se werden uns nicht so ohne weiteres über das Licht mitgeliefert. Mit Hilfe der Farben lehre von Goehte können wir diese Aufsschlüsse nachvollziehen und nachvollziehbar machen.
In drei Teilen hat Goethe seine Farbenlehre aufgebaut: er schreibt selbst
WEITERE ZITATE AUS DEM VORWORT ZUR FARBENLEHRE VON J.W.GOETHE
wir betrachten also die Farben zuerst, insofern sie dem Auge angehören und auf einer Wirkung und Gegenwirkung desselben beruhen. Ferner zogen sie unsere Aufmerksamkeit an sich indem wir sie an farblosen Mitteln ider durdch deren Beihülfe gewahrten. Zuletzt wurden sie uns merkwürdig, in dem wir sie als den Gegenständig angehörig denken konnten.
Die ersten nannten wir physiologische, die zweiten Physische und die dritten chemische Farben. Jene sind unaufhaltsam flüchtig, die anderen vorübergehend aber allenfalls verweilend, die letzteren sind festzuahlten bis zur spätesten Dauer....
Gegenwärtig sagen wir nur soviel voraus, daß zur Erzeugung der Farbe Licht und Finsternis, Helles und Dunkles oder wenn man sich einer allgemeinen Formel bedienen will, Licht und Nichtlicht gefordert werde. Zunächst am Licht enststeht uns eine Farbe, die wir gelb nennen, eine andere zunächst an der Finsternis die wir mit dem Wort Blau bezeichnen. Diese beiden, wenn wir sie in ihrem reinsten Zustand dergestalt vermischen, daß sie sich völlig das Gleichgewicht halten, bringen eine dritte hervor, welche wir grün heißen. Jene beiden ersten Farben können aber jede an sich selbst eine neue Erscheinung hervorbringen, indem wir sie verdichten ider verdunkeln. Sie erhalten ein rötliches Ansehen, welches sich bis auf einen so hohen Grad steigern kann, daß man das ursprüngliche Blau und Gelb darin kaum mehr erkennen kann. Doch läßt sich das höchste und reine Rot, vorzüglich in den physischen Fällen dadurch hervorbringen, daß man die beiden Enden des Gelbroten und Blauroten vereinigt. Dieses ist die lebendige Ansicht der Farberscheinung und Erzeugung.
Man kann aber auch zu dem spezifiziert fertigen Blauen und Gelben ein fertiges Rot annehmen und rückwärts durch Mischen hervorbringen, was vorwärts durch Intensivieren bewirkt haben. Mit diesen drei oder sechs Farben, welche sich bequem in einen Kreis einschlißen lassen, hat die elementare Frabenlehre allein zu tun. Alle übrigen ins Unendlich gehenden Abänderungen gehören mehr in das Angewandte, gehören zur Technik des Malers, des Färbers überhaupt ins Leben.

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